Erste Hochrechnung lässt an die 8.000 zu bergende Personen erwarten. Über 45 Prozent der Unfälle und fast zwei Drittel der Todesopfer bei Wanderungen oder im „leichten“ Gelände.

Der Österreichische Bergrettungsdienst (ÖBRD) schlägt Alarm: Aufgrund der derzeit vorliegenden Daten muss geschlossen werden, dass 2016 in mehrfacher Hinsicht ein Rekordjahr wird. Bei voraussichtlich mehr als 7.700 Einsätzen dürften erstmals an die 8.000 Menschen geborgen werden müssen. Die Zahl markiert einen Allzeitrekord für die Leistungen der Bergretter. Allein in den vergangen zehn Jahren ist die Zahl der Einsätze um über 30 Prozent gestiegen. 12.500 freiwillige Bergrettungsfrauen und -männer stehen dazu in Österreich rund um die Uhr in 291 Ortsstellen bereit. 220 Suchhunde unterstützen bei Lawinen- und Sucheinsätzen.

Auch die genauere Betrachtung der Unfallarten eröffnet Alarmierendes. Würde man gemeinhin erwarten, dass Alpinunfälle vor allem bei spektakulären Besteigungen im hochalpinen Gebiet passieren, sind es, ganz im Gegenteil, vor allem Menschen bei relativ leichten Wanderungen auf gut gesicherten und markieren Wegen und Steigen, die zu Schaden kommen. Über 45 Prozent der Bergungen und, besonders markant, fast zwei Drittel (genau 64,7 Prozent) der Todesopfer sind hier zu beklagen.

Etwa gleich hoch ist der Anteil der Pistenunfälle mit 46,5 Prozent. In diesem Zusammenhang warnen die Bergretter auch vor unvorbereitete Variantenfahren abseits der gesicherten Pisten. „Lawinengerechtes Verhalten ist ein absolutes Muss“, so ÖBRD-Präsident Franz Lindenberg.

„Bedingt durch die vermehrte Inanspruchnahme des alpinen Raumes, häufen sich auch die unterschiedlichsten Notsituationen. Waren es 2006 noch unter 6.000 Einsätze jährlich, sind mittlerweile beinahe 8.000 Einsätze zu leisten“, berichtet ÖBRD-Präsident Franz Lindenberg. Die Ausbildung eines Bergretters dauert bis zu fünf Jahre, dann folgt eine kontinuierliche Fortbildung, um für alle Einsätze bestmöglich gerüstet zu sein. „Die Ausbildung der freiwilligen Bergretter wird anspruchsvoller und zeitaufwändiger. Auch die Ausrüstung muss an die verschiedenen Einsatzszenarien laufend angepasst werden. Beides kostet immer mehr Geld“, führt Lindenberg weiter aus. Neben der Hilfeleistung ist auch Unfallprävention eines der Anliegen der Österreichischen Bergrettung. „Um das Risiko möglichst zu minimieren und Unfälle weitgehend verhindern zu können, bedarf es der richtigen Selbsteinschätzung, einer guten Tourenplanung, der entsprechenden und guten Ausrüstung sowie dem Vermögen, in Notsituationen richtig und schnell reagieren zu können. Sollte dennoch ein Notfall eintreten, ist die Bergrettung unter der Notrufnummer 140 immer erreichbar“, so Präsident Franz Lindenberg.

Die Aus- und Weiterbildung durch Profis ist wichtig, um Unfälle zu vermeiden. Peter Habeler, Bergführer und Extrembergsteiger, unterstreicht die Bedeutung einer fundierten Ausbildung, um Notfallsituationen bestmöglich zu vermeiden und erklärt: „Die in den Sicherheitstipps der Bergrettung angeführten Inhalte sollte jeder Alpinist und Outdoor-Sportler berücksichtigen. Aber nicht nur für Touren in den großen Wänden der Alpen wird Ausbildung benötigt. Auch grundsätzlich weniger risikobehaftete Aktivitäten wie z.B. das Wandern werden oftmals unterschätzt und bedürfen entsprechender Fähigkeiten und Kenntnisse“. „Die Österreichischen Berg- und Skiführer bieten dazu umfassende und ausgezeichnete Ausbildungen und Unterstützungen für jede Form von alpinistischen Betätigungen an. Neben der Freude am Berg ist dabei die Unfallvermeidung immer ein zentrales Thema“, ergänzt Lindenberg.

Seit 10 Jahren unterstützen auch die Österreichischen Lotterien den Österreichischen Bergrettungsdienst durch die Finanzierung von Projekten und finanzielle Zuwendungen. Generaldirektor Karl Stoss, selbst routinierter Alpinist: „Wir haben erkannt, dass manchmal auch die Helfer selbst Hilfe brauchen. Beispielsweise bei der Ausrüstung. Kaum jemand denkt darüber nach, dass die persönliche Ausrüstung wie Klettergurt, Ski und Helm oder Kleidung zum größten Teil von den Bergrettern selbst finanziert wird. Daher haben wir uns in den vergangenen Jahren bemüht, bei größeren, kostenintensiven Anschaffungen zu helfen. So war mit unserer Unterstützung z.B. die Ausstattung mit GPS- und diversen Rettungsgeräten möglich, der Ankauf von Transportsäcken sowie eines Smartboards und einiges mehr.“

Freilich sind aufwendige Bergungsmanöver oft sehr teuer. Daher sollten Alpinisten, egal ob im Hochgebirge oder beim gemütlichen Wandern, und Tourengeher eine entsprechende Versicherung abschließen. Der Österreichische Bergrettungsdienst bietet dafür, als Teil der Fördermitgliedschaft, auch eine umfassende und weltweit geltende Bergungskostenversicherung an. Näheres dazu unter: www.bergrettung.at

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